70 Jahre Anwerbeabkommen mit Italien: „Singen ist unsere Heimat geworden“

Bei der Feier zum 70. Jahrestag des deutsch-italienischen Anwerbeabkommens würdigte OB Häusler die besondere Rolle der italienischen Arbeitskräfte für die Stadt.

Beim Empfang italienischer Vereine (v.l.): Salvatore Messina, Bernhard Grunewald, Vito Giudicepietro, Catharina Scheufele, Daniela Schilhab, OB Bernd Häusler, Domenico Baratta und Salvatore Valentino.
Beim Empfang italienischer Vereine (v.l.): Salvatore Messina, Bernhard Grunewald, Vito Giudicepietro, Catharina Scheufele, Daniela Schilhab, OB Bernd Häusler, Domenico Baratta und Salvatore Valentino.

„Ohne die vielen Gastarbeiter wären die Singener Großunternehmen nicht möglich gewesen“, erklärte Oberbürgermeister Bernd Häusler bei der Veranstaltung „Benvenuti a Singen! – 70 Jahre deutsch-italienisches Anwerbeabkommen“ und hob die besondere Bedeutung der italienischen Arbeitskräfte hervor. 70 Jahre nach dem historischen Anwerbeabkommen zwischen Italien und der Bundesrepublik Deutschland und 65 Jahre nachdem am 6. Mai 1960 erstmals 350 Italiener über die sogenannte Neapel-Schleuse nach Singen kamen, wurde im Bürgersaal der Startschuss für ein fruchtbares Zusammenleben unterm Hohentwiel gefeiert.

Zuvor hatte die Historikerin Daniela Schilhab in ihrem Vortrag berichtet, dass schon beim Eisenbahnbau und bei der Maggi hunderte Italiener vor dem Ersten Weltkrieg in Singen gearbeitet hatten. Zudem berichtete Schilhab, dass zwischen 1960 und 1962 70.000 Personen aus Neapel über die erste Anlaufstelle Singen nach Deutschland einreisten, um hier als Arbeitskräfte tätig zu sein. Nachdem die Neapel-Schleuse 1962 mittels Sonderzügen eingestellt wurde, kamen die Italiener zwar weiterhin nach Singen, jedoch eigenständig.

Eine integrative Persönlichkeit war in Singen, Mariano Nasca, den Schilhab als "wahren Glücksgriff" beschrieb. Der Sozialarbeiter bot seine Sprechstunden bei der Caritas nach dem Gottesdienst an und half beim Familiennachzug. Nasca gründete zudem 1965 den ersten italienischen Sportverein Polisportiva.

„Singen ist unsere Heimat geworden“, betonte Vito Giudicepietro stellvertretend für viele Italiener. Als Mitbegründer von A.C.R.E.I. und Vorsitzender des FC Italiana engagiert er sich seit Jahrzehnten für seine italienischen Landsleute.

Dankesworte gab es von OB Häusler auch für Antonio Baratta (Präsident des La IV Sibari), seinen Sohn Domenico (Präsident des FC Italiana), Salvatore Messina und Salvatore Valentino, die als Betriebsräte bei Amcor tätig sind, sowie für Eraldo Lazzarini, den Mitbegründer von A.C.R.E.I., der im Jahr 2000 den Arbeitsverdienstorden der italienischen Republik erhielt. Ebenfalls gedankt wurde Luigi Felice sowie den Organisatoren des Abends, Bernhard Grunewald und Catharina Scheufele.